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Hauptseite - The Park - Giuseppe Dessì - Literarisches Werk

Literarisches Werk

Die bedeutendsten Eigenschaften des ganzen Werks von Dessì sind der Naturalismus und vor allem der ständige Bezug auf seiner Heimatregion. Schon sein erster Roman spielt sich dort ab, in jenem Teil Sardiniens Parte d’Ispi benannt, auf dem anderen Seite des Tyrrhenischen Meeres, auf jenen Bergen, in jenen Tälern, jenen Dörfern um das Gebirgsmassiv Linas herum. Hintergrund seiner Romane und gleichzeitig Inspiration ist immer seine Insel. Und obwohl die Romanfiguren schon „modern“ definiert werden können, leben sie naturgemäß in einer Region mit ihren geschichtlichen und geografischen Besonderheiten. Das kommt nicht nur auf die literarische Ausdrucksweise des Autors an, aber das spiegelt auch seine Weltanschauung und seine literarische und künstlerische Ausbildung wider. Dank seinem Tagebuch erfahren wir, dass er in seinem Jugendalter Streifzüge auf dem Land, das Geschwätz mit den älteren Leuten über die täglichen Arbeiten in den Bauernhöfen oder in den Äckern bevorzugte, als in einem Klassenzimmer seiner Schule zu sitzen. Es waren die ersten Nachkriegsjahre und Dessì, der in einer wohlhabenden Familie aufwuchs, lernt wie das materielle Leben seiner Landsleute abläuft. Er beobachtet und erlernt bis ins Detail den Ackerbau, das Frauenhandwerk und auch die Geräusche und die Ruhe der Wälder und Teichen von diesem Teil Sardiniens und das wird er dann in seinen Texten beschreiben.

In seinem ersten Roman, San Silvano, finden wir schon eine Zusammenfassung von all den Eigenschaften seines ganzen Werkes. San Silvano ist der Heimatort, das natürliche Habitat, immer in unserem Inneren. Das brauchen wir zusammen mit dem Gedächtnis um die Welt, das Leben und uns selbst gründlich zu erfahren.
Im Roman Il Disertore erkennt man wie immer die Landschaft, welche die intimsten Ereignisse der Hauptfiguren widerspiegelt: Dieses Mal ist sie unpersönlicher beschrieben, so dass man sich nur auf den Kummer und die Hartnäckigkeit von Mariangela Eca konzentriert. Die Handlung spielt sich in den Nachkriegsjahren in einem abgeschiedenen Dorf, wo die Oberschicht entscheidet, ein Gefallenendenkmal zu errichten. Die zwei Söhne von Mariangela sind während dieses Krieges gefallen: Saverio, einer der beiden, wurde offiziell vermisst gemeldet. Aber nur sie und der Priester, bei dem sie als Dienstmädchen arbeitet, wissen, dass Saverio kein Held, sondern ein Deserteur ist; sie hat sich nämlich um ihn heimlich gekümmert, bevor er gestorben ist. Im Hintergrund stehen die Ereignisse der italienischen Nachkriegszeit – die Arbeiteraufstände und die Vorzeichen der folgenden zwanzig Jahre.

In den 30er Jahren versuchten die italienischen Romanschriftsteller mit einem neuen moderneren Stil zu schreiben. Dessì wollte sich außerdem von der literarischen Ideologie und dem Stil der berühmtesten sardischen Schriftstellerin Grazia Deledda fernhalten. Die beste Folge seiner Absicht neben San Silvano wurde Michele Boschino, der 1942 erschien. Der Roman hatte das Lob der Kritiker, nicht nur dank seinem Stil mit den zwei Erzählungsformen, aber auch wegen der Darstellung der moralischen Einsamkeit und der Unzufriedenheit eines sardischen Bauers.
In I passeri, der sich im zweiten Weltkrieg abspielt, und Introduzione alla vita di Giacomo Scarbo hat Dessì eine neue Figur gestaltet, Giacomo, fast seines Alter Ego. Giacomo Scarbo kommt im ganzen Werk von Dessì vor: vom Vorwort seines ersten Erzählungsbuches La sposa in città bis zum Entwurf des postumen Romans La scelta. Dessì wollte genauso wie sein nur imaginärer Freund Giacomo Scarbo leben, ein verrückter Maler auf dem Platz von San Silvano/Norbio/Ruinalta/Villacidro, ein Mann, der mit den internationalen Brigaden Spaniens gegen den Faschismus gekämpft hat und deswegen gefallen ist.

1964 wurde die Arbeit von Dessì, sowohl als Schriftsteller wie auch als Drehbuchautor und literarischer Kritiker, wegen Schlaganfall plötzlich unterbrochen. Aber genau während dieser schwierigen Jahre widmete er sich eifrig der Verfassung seines Meisterwerks. Paese d’ombre ist ein denkwürdiges Porträt Sardiniens am Ende des 19. Jahrhunderts, trotzdem nicht als Vertreter des Realismus: dieser Roman versteht sich zwar als wirkungsvolle literarische Wiedergabe der Lebensgeschichte einer Familie, nicht aber als Biografie oder Geschichtsroman, obwohl er reich an historischen Details ist. Das Leben der Hauptfigur Angelo Uras wird ständig mit den wichtigsten historischen Geschehnissen in Bezug gebracht, denn die Geschichte hat eine Wirkung auch auf eine so entfernte Insel und ihre abgeschiedensten Ortschaften und Angelo hat eine entscheidende Rolle in dieser Geschichte. Der Roman beginnt und endet mit dem Auftritt zweier älteren Männer: der reiche Eigentümer und Rechtsanwalt Fulghieri, der die armen Leute gegen die Übergriffe der Vorgesetzten – und Angelo Uras, der seinen Mitbürgern gezeigt hatte, wie sie auf diese Situation reagieren konnten. Der Roman kann außerdem als ein Vorläufer der Umweltschutzbewegung betrachtet werden – es geht nämlich auch um das Thema blinde Entwaldung – und als ein modernes Werk – der Schriftsteller nutzt seine Kunst um noch besser die Welt zu erfahren.